Veranstaltungen und Termine
In die Bildung kommt Bewegung
Mohini Lokhande über den Bildungsverbund in der Neustadt
Mohini Lokhande hat vor allem einen Wunsch: Dass alle Kinder und Jugendlichen in der Spandauer Neustadt die gleichen Chancen auf eine gute Bildung haben und dass der Kiez in Zukunft für seine guten Schulen und Kitas bekannt wird. Dafür ist Mohini Lokhande die Koordinatorin des Bildungsverbundes in der Spandauer Neustadt geworden, genannt die "BildungsWelle". Träger der Koordinationsstelle ist Jugendwohnen im Kiez – Jugendhilfe gGmbH
Seit Mai 2010 macht die studierte Psychologin dafür zunächst eines: Sie bringt Menschen an einem Tisch zusammen. Kitas - Betreuer, Lehrer, Sozialarbeiter, das Jugendamt, die Schulaufsicht und die Kinder- und Jugendbibliothekare - alle haben eng mit Kindern und Jugendlichen in der Neustadt zu tun, aber oft nicht allzu viel miteinander geredet über die Grenzen ihrer Institution hinaus. Das ändert sich gerade. Ein konkretes Beispiel: Im BDP Koeltze findet seit ein paar Wochen jeden Freitag nachmittag ein Elterncafé statt. Zum Reden, Kochen und um gemeinsame Aktivitäten zu planen. Auch Sozialarbeiter sind dabei, um bei Problemen zu helfen. Entstanden ist das Ganze in einem Kaffeepausen-Gespräch bei der BildungsWelle.
"Zurzeit ist die BildungsWelle ganz bewusst als lockerer, offener Verbund gestaltet", sagt Mohini Lokhande. Um so viele Mitwirkende wie möglich an Bord zu holen. Im Sommer oder Herbst diesen Jahres soll daraus ein verbindlicher, enger Verbund werden. In einer selbst entwickelten Kooperationsvereinbarung sollen die Mitwirkenden dann gemeinsam Verantwortung übernehmen für den Bildungsstandort Spandauer Neustadt.
Vor allem zwei Zahlen wühlen Mohini Lokhande auf und sind Ansporn: Rund zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren sind in dem Gebiet rund um die Kurstraße von Armut betroffen. In ganz Berlin ist es nur ein Drittel. Und während im Berliner Durchschnitt die Arbeitslosenquote bei Jugendlichen unter 25 Jahren rund sechs Prozent beträgt, sind es im Gebiet Kurstraße knapp neun Prozent.
Mohini Lokhande will das ändern. Auch das war eine Motivation für sie, die Koordinatorin der BildungsWelle zu werden. "Ich kann hier mit vielen Menschen viel bewegen", sagt sie. "Und man kann nachhaltig etwas verbessern, die Strukturen ändern." Sie findet es "spannend und sehr bereichernd" Menschen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen zusammen zu bringen: Sozialarbeiter, Lehrer, Eltern, Erzieher, Menschen aus der Schulpolitik und -verwaltung. Eine Art Vorbild ist der Bildungsverbund im Neuköllner Reuterkiez, zu dem auch der Campus Rütli gehört. Der Kiez hatte bundesweit Aufsehen erregt, als Lehrer der Rütli-Schule einen öffentlichen Brandbrief wegen unhaltbarer Zustände an ihrer Schule geschrieben hatten. Inzwischen wurde viel in den Bildungsverbund investiert. Mohini Lokhande warnt aber davor, Bildungsverbünde über einen Kamm zu scheren. "Jedes Quartier ist anders, man muss auf die jeweilige Situation vor Ort eingehen."
Ganz besonders am Herzen liegt den Bildungsträgern im Kiez, den Übergang von der Grundschule zur Sekundarstufe I für die Kinder und Eltern zu verbessern. "Da sind viele verunsichert, die Hürde ist oft groß", sagt Lokhande. "Wir wollen den Übergang durch eine enge Zusammenarbeit von Grund- und Oberschulen für die Kinder und Eltern verbessern." Dass die soziale Herkunft mit beeinflusst, ob ein Kind auf das Gymnasium geht oder nicht, stört nicht nur Lokhande sehr. In den Pisa-Studien war es ein Hauptkritikpunkt am deutschen Bildungssystem. Die BildungsWelle in der Spandauer Neustadt will auch deshalb die Kitas, Grund- und Oberschulen im Kiez enger verzahnen. "Und da setzen wir nicht erst beim Übergang an, sondern schon viel früher, in den Kitas und in der Zusammenarbeit mit den Eltern", sagt Lokhande.
Auf einem Workshop am 11. April sollen konkrete Ideen entwickelt werden. "Die Bildungschancen für alle Kinder und Jugendlichen zu verbessern - da werden alle mit dem Kopf nicken", sagt Mohini Lokhande. "Aber wir wollen dann im April auch konkret überlegen, was wir als nächstes dafür tun werden und wie wir zusammenarbeiten werden."
Mohini Lokhande ist Diplom-Psychologin. Vor ihrer Tätigkeit bei Jugendwohnen im Kiez – Jugendhilfe gGmbH hat sie an der Universität Jena zu Fragen der Akkulturation und Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund promoviert.








